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Am
21. August 1960 entschied ich mich,
den Wehen meiner spanischen Mutter und dem Flehen
meines englischen Vaters nachzugeben und aus der
Wärme des mütterlichen Schoßes aufzutauchen,
um mich als Erdenbürger fortan gegen den nasskalten
Wind im kleinen Soest zu wappnen. Ich war das dritte
Kind, zwei sollten noch folgen. Meine Mutter sagte
gleich: „Iss, Junge, damit aus dir was wird!“,
und wie Ihr seht, bin ich ihrem Rat brav gefolgt. |
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Die
60er Jahre waren eine bewegte Zeit, die
den Blick trübte und das Haar zerzauste.
Vormittags ging ich in die Grundschule, spielte
nachmittags Fußball, und außer dass
Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch
den Mond betrat, passierte eigentlich nicht viel.
Meine Oma sagte: „Wenn du schon wie ein
Hippie rumläufst, dann tu wenigstens den
Kragen aus dem Pullover.“ Ich dachte, na
ja, wenn’s dafür nachher Schoko und
Kekse gibt, will ich mal nicht so sein... |
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In
den 70er Jahren gab es häufig Stunk.
In der Schule und zu Hause. Die neun Jahre Gymnasium
zogen sich wie Kaugummi, zumal ich zur letzten Jahrgangsstufe
einer reinen Jungenschule gehörte. Zum Glück
gab es auf anderen Schulen Mädchen. Etwas Taschengeld
verdiente ich mit den Geschichten vom Schweinchen
Kringelschwanz, die ich im „Soester Anzeiger“
veröffentlichte. Ohne Kragen am Hemd hatte
ich auch endlich vor meiner Oma Ruhe. Dafür
nervte mein Vater: „Guck mich an, wenn ich
mit dir rede!“, meinte er oft, und das tat
ich dann auch. |
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Die
80er Jahre brachten grenzenloses Wachstum.
Meine Haare wuchsen, mein Bart wuchs, und auch meine
Freiheit gedieh prächtig. Als Student in Münster
lernte ich allerdings auch, dass zu viel Freiheit
ganz schön anstrengend sein kann. Nach 13 Semestern
habe ich es dann aber doch noch irgendwie geschafft,
meinen Magister in Germanistik, Philosophie und
Publizistik zu bekommen. Mein Berufsziel: Journalist
oder Schriftsteller. |
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Als
Schriftsteller verdient man kein Geld,
das weiß ja jedes Kind, also ließ ich
mir Ende der 80er die Haare abschneiden und heuerte
bei eine Zeitung an. Zunächst als freier Mitarbeiter,
dann als Praktikant, später als Volontär,
schließlich als Redakteur. Oma war längst
tot, also blieb der Hemdkragen im Pullover. Nebenbei
habe ich dann aber doch noch angefangen, Geschichten
zu schreiben, erst für Erwachsene, darunter
auch meinen ersten Roman, der voll in die Hose ging. |
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In
den 90ern war ich lange genug im Beruf,
um mir wieder die Haare wachsen lassen zu dürfen.
Aufgrund meines gestutzten Bartes verwechselte man
mich nicht wie früher mit Jesus, sondern nur
noch mit D’Artagnan. Kleine Erfolge als Autor
stellten sich ein: Endlich erschien mein erstes
Buch, ich lud zu Lesungen und verdiente mit der
Literatur sogar etwas Geld. Ich lernte Mike und
Fabienne kennen kennen, die wollten Geschichten
hören, und so wurde ich Kinderbuchautor. |
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Nach
der Jahrtausendwende beschloss ich, endgültig
seriös zu werden. Also ließ ich ein nettes
Foto von mir machen, und schon wurde der Ueberreuter
Verlag auf mich aufmerksam. Da ihm bislang all meine
Ideen gefielen, haben wir zusammen schon fünf
Bücher gemacht. Aber leben kann ich davon immer
noch nicht. Weshalb ich bis zu meinem ersten Weltbestseller
auch weiterhin als Journalist arbeite. |
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Am
27. Oktober 2006 erblickte Joshua Rubén das
Licht der Welt. Seitdem hält er meine
Frau Angela und mich ganz schön auf Trab. Aber
da er uns fast jeden Tag mit einem Lächeln
beschenkt, ist das in Ordnung so, finde ich. Joshua
verschlingt meine Bücher bereits, aber leider
auf eine andere Art als üblich. |
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